Traumjob Flugbegleiter? Willst du nicht mal was anderes machen?

Ähm, also willst du das noch länger machen? “ so, oder so ähnliche Fragen erreichen mich häufig. Meist gepaart mit einem etwas fragenden und ungläubigen Blick.

So langsam stelle ich mir daher die Frage, warum das eigentlich ständig gefragt wird? Ich frage doch auch niemanden von der Bank oder den Verkäufer in meinem Lieblingsladen: „Und was willst du später mal machen? Wenn du groß bist und so?“

Man weiß natürlich nie was passiert und ob sich die Meinung doch mal ändert, aber bisher ist das nunmal mein Job, mein Traumjob, und derzeit könnte ich mir nichts Besseres und Schöneres vorstellen.

Aber scheinbar wird dieser Traumjob, nur als eine Art „ ich mach das mal nach der Schule oder dem Studium, bis mir was besseres einfällt- Job“ gesehen.

Aber warum? Warum wird er nicht als vollwertiger Beruf angesehn? Und wieso denken scheinbar viele, dass man das nur zeitweise machen kann wenn man jung ist?

Seid ihr schon mal mit American Airlines geflogen ? Oder mit der deutschen Lufthansa oder der ehemaligen LTU? Da gibt es, zum Glück, sogar sehr viele ältere Stewardessen und Stewards, die noch super fit durch die Lüfte düsen. Glücklicherweise werden nicht überall nur junge Blondinen eingestellt. Es gibt auch viele Quereinseiger, die mit 40 beschließen, dass sie noch etwas von der Welt sehen wollen. Und es gibt einige, die ihr Leben lang nichts anderes gemacht  haben. Von ihrer Erfahrung profitieren wir jüngeren   Kollegen und die Passagiere. Gerade die älteren, haben schon vieles erlebt, und strahlen dadurch oftmals eine enorme Ruhe aus, auch in Extremsituationen. Außerdem gibt es in den meisten Firmen die Möglichkeit auch nur in Teilzeit zu fliegen, zwecks Familienplanung und so. Es ist also durchaus möglich und allgegenwärtig auch noch bis ins etwas höhere Alter zu fliegen.

So, also wieso denkt immer jeder, dass das kein langfristiger Job ist?

Liegt es an dem Voruteil, dass wir nur „Kellner der Lüfte“ sind? Und man kellnert ja schließlich nur nebenbei und in jungen Jahren?

Ja, wir sind Kellner! Aber nicht nur, sondern auch und vorallem(!) Sicherheitsbeauftragte, Feuerwehrleute, Babysitter, Seelsorger und Psychologen, Krankenpfleger, Gastgeber, Animateure, Streitschlichter und und und.

Gerade die Vielfalt macht diesen Job so einzigartig.  Abgesehen davon, trifft man jeden Tag neue Leute, knüpft neue Kontakte und sieht so einiges von der Welt. Kein Arbeitstag ist wie der andere, man weiß nie wem man begegnet. Nicht immer sind alles Gäste nett. Nicht immer ist jedes Crewmitglied nett. Aber jeder Tag ist neu, aufregend und anders. So bleibt man nie stehen und entwickelt sich immer weiter. Das ist für mich das Schönste daran.

Und auch wenn die Ausbildung zum Flugbegleiter keine 3 Jahre sondern nur 3 Monate dauert, sind wir alle bestens ausgebildet, in dem was wir tun. Unser Wissen wird jedes Jahr aufs Neue aufgefrischt und dann trainiert. Gerade in der Fliegerei, darf man sich niemals einen Fehler erlauben und wird ständig genaustens überprüft. Egal ob von Behörden wie dem Luftfahrtbundesamt oder von der eigenen Firma selbst.

Es bleibt letztendlich jedem selbst überlassen für welche berufliche Laufbahn er sich entscheidet und was er mal werden will wenn er groß ist. Und die meisten planen das vielleicht auch schon haargenau in frühster Jugend. Und das ist auch gut so. Es ist immer toll wenn man weiß was man erreichen will.

Aber dann gibt es noch die Anderen, dazu zähle ich mich auch. Die, die keine aalglatte Laufbahn im Lebenslauf haben, die sich doch nochmal umentschieden haben und eine andere Laufbahn eingeschlagen haben. Und die, die vielleicht einfach nicht wissen, wo sie in 5 Jahren stehen wollen ( das ist übrigens auch so eine mega nervige Frage, wie ich finde). Viele beginnen ein Studium und wissen nicht, ob sie damit einen Job finden, dann landen sie vielleicht irgendwo anders und merken plötzlich “ Huch, das ist ja genau das Passende für mich“! Man hat niemals eine Garantie für nichts. Und jeder hat das Recht seine Meinung auch wieder zu ändern. Glücklicherweise leben wir in einem Land, in dem uns so viele Möglichkeiten offen stehen und hoffentlich jeder das findet, was ihn erfüllt und glücklich macht. Das wünsche ich wirklich jedem.

Alles kann ein Traumjob sein, egal ob im Büro, auf der Straße , in der Luft oder auf dem Wasser, ob von zuhause aus oder nur auf Reisen.

Also lasst doch bitte jeden so wie er will.

Ich habe meinen bisherigen Traumjob gefunden, wofür ich sehr dankbar bin.

Und wer kann schon von sich behaupten jeden Tag die Sonne zu sehen, auch im Winter?

Erlebt ihr sowas auch häufig? Arbeitet oder studiert ihr vielleicht auch in einer Branche oder einer Nische, in der das sonst keiner macht? Und wurdet ihr schon mal gefragt, ob ihr nicht mal was „richtiges“ machen wollt? Vielleicht sind ja auch Flugbegleiter unter Euch, denen es schonmal so erging? Ich freue mich auf Eure Kommentare.

Eure

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14 Comments

  • Birgit M. sagt:

    Laß dir nichts einreden. Es ist DEIN Traumjob und das ist doch toll. Ich habe es gerade selbst erlebt, als Passagier auf einem 12,5 Std – Flug, wie viel Arbeit der Job mit sich bringt und wie vielseitig er sein kann. Ich kann nur mit dem Kopf schütteln, wenn ich höre, wie unqualifizierte Vollhorste euren Beruf als „Saftschubsen“ betiteln. Ich habe es sehr genossen, vom Flugpersonal umsorgt zu werden, immer genug zu trinken am Platz zu haben und ständig bedient zu werden. Auffällig war jedoch, dass tatsächlich alle Mitarbeiter sehr jung zu sein schienen.
    Mach einfach Dein Ding und hab Spaß an deinem Job – das spürt auch der Fluggast.
    LG
    Birgit

    • Annie sagt:

      Danke liebe Birgit, freut mich zu hören, dass du einen schönen Flug hattest und dich gut umsorgt gefühlt hast.

      Liebe Grüße
      Annie

  • Tabea sagt:

    Hey, Super schöner Beitrag!

    Ich mache gerade Abitur und nimm mir dann zwei Jahre Auszeit. Flugbegleitung wäre nicht so meins, aber das hört sich verdammt cool an. Siehst du denn auch mehr als den Flughafen? ;)

    Liebe Grüße

    Tabea

    • Annie sagt:

      Hi Tabea,
      oh schön, willst du in den zwei Jahren dann reisen? Finde ich ne gute Idee, hätte ich nach der Schule auch gerne gemacht.
      Ja zum Glück sehe ich meistens sogar sehr viel, da ich meistens längere Aufenthalte von ca. 1 Woche habe.

      Liebe Grüße
      Annie

  • Hallo Annie,
    sehr schöner Beitrag. Und recht hast du auch. Ich habe auch keinen glatten Lebenslauf und wusste auch ganz lange nicht was ich werden möchte. Aber ist das wirklich so schlimm? Ich denke nicht. Bei manchen dauert es einfach etwas länger bis sie ihren Traumjob gefunden haben.
    Liebe Grüße

    • Annie sagt:

      Da hast du echt recht :-) und zum Glück leben wir in einer Zeit, in der die meisten den Job machen können, den sie auch wollen.

      Liebe Grüße
      Annie

  • Hi Annie,

    vermutlich ist es nicht genau das gleiche, aber ich werde auch sehr oft gefragt, warum ich das was ich mache eigentlicht mache und das sogar von meinen Dozenten.

    Ich studiere Online-Journalismus und höre ununterbrochen, dass diese Branche am aussterben ist, dass man damit kein anständiges Geld verdienen kann und sowie so kaum Jobs findet. Irgendwie stimmt mich das nachdenklich. Warum soll ich studieren, wenn ich am Ende doch ohne Job dastehe? – Naja, 1. weil ich spaß daran habe und 2. denke ich, wenn man etwas mit Passion macht, kann man es weit auch bringen.
    Das wichtigste ist, dass man Spaß an dem hat, was man tut.
    Ich habe vor meinem Studium eine Ausbildung im Büro gemacht und schnell gemerkt, dass mir die Arbeit kaum Spaß macht, also warum soll ich mich täglich zur Arbeit quälen, wenn ich auch was arbeiten kann was mich oll und ganz erfüllt.

    Liebste Grüße
    Lisa

    • Annie sagt:

      Liebe Lisa,

      ich finde auch das Spaß an der Sache das Wichtigste ist. Da ich vorher auch im Berü gearbeitet habe, kann ich gut nachvollziehen, dass du das nicht weiter machen wolltest. Eben, wir arbeiten die meiste Zeit unseres Lebens, da sollte der Job uns schon erfüllen.
      Dein Studium klingt sehr interessant und ich glaube, dass man da bestimmt einiges mit machen kann. Gerade in der heutigen Zeit. Glaub einfach weiterhin an dich. Wenn du mit Leidenschaft und Spaß bei der Sache bist, dann findest du bestimmt einen Job oder kannst dich selbstständig machen.

      Liebe Grüße
      Annie

  • Klaus - D. sagt:

    Hallo Annie.

    Ich finde eine solche Frage total daneben und beweist,
    dass der Fragende hier wenig Sesibiltät und Einfühlungsvermögen
    an den Tag legt.
    Weiterhin viel Spaß bei Deinem TraumBERUF.

    Liebe Grüße

    Klaus-D.

  • Freya sagt:

    hi:)
    Ich bin selbst als Flugbegleiterin geflogen und studiere nun brav um dann doch noch einen Abschluss zu machen, ich muss sagen, ich vermisse diesen Job jeden Tag und kann es gar nicht abwarten bis es für mich endlich wieder in die Luft geht! Derzeit habe ich einige Pläne bezüglich Teilzeit fliegen und nebenbei studieren, mal sehen ob das was wird :)
    Ich finde es unmöglich das der Beruf der Flugbegleiterin nicht so anerkannt ist wie andere Jobs, nur weil die Ausbildung nur einige Monate dauert, es gibt durchaus viele Berufe und Studiengänge die man ebenfalls ins einigen Monaten lernen könnte, ich fände das einfach nur effektiv und nicht unqualifiziert oder schlecht ausgebildet. Danke dir für diesen Beitrag und deinen Blog :)
    Liebste Grüße
    Freya

    • Annie sagt:

      Hi liebe Freya,
      ich glaube dir wirklich gerne, dass du diesen Job vermisst und ich denke jeder, der mal geflogen ist, kann das nachvollziehen. Ich drücke dir fest die Daumen, dass du das Fliegen und Studieren unter einen Hut bekommen kannst :-)

      Ganz liebe Grüße
      Annie

  • Sarah sagt:

    Hallo Annie,
    Ich bin zur Zeit 17 und dabei mein Abitur zu machen. Danach habe ich noch keine genauen Pläne und informiere mich seit kurzem über den Beruf als Flugbegleiterin. Von der Jobbeschreibung scheint, dass genau der Beruf zu sein den ich machen möchte. Allerdings habe ich bis auf deinen Artikel nur sehr abschreckende Berufserfahrungsberichte gelesen… Außerdem frage ich mich wie es mit persönlichen Beziehungen funktioniert wenn man so viel weg ist. Ist es sehr schwer nicht den Kontakt zu verlieren?
    Ich wäre dir sehr dankbar für einen Rat.
    Liebe Grüße Sarah.

    • Annie sagt:

      Liebe Sarah,

      schön, dass du dich für den Beruf der Flugbegleiterin interessierst. Natürlich wird es am Anfang eine Umstellung sein sooft von zu Hause weg zu sein. Generell ist es einfach eine Umstellung von der Schule zum Berufsleben. Sobald deine Freunde und Du einen festen Job mit regelmäßigen Arbeitszeiten haben werdet, wird es einfach schwieriger sich zu sehen. Da ist es glaube ich egal, ob du einen 9-5 Job hast oder etwas anderes machst. Klar, man wird nicht mehr an jedem Geburtstag oder Feiertag da sein. Aber ich persönlich habe ich die Erfahrung gemacht, dass meine Beziehungen ( zu Freunden, Familie usw) noch intensiver wurden, da ich meine Zeit daheim ausgiebig nutze und die Beziehungen eben auch pflege. In diesem Job hat man aber auch sehr viel Freizeit. Immerhin wirst du auch öfter mal 3-5 Tage am Stück daheim sein. Dann mal wieder 3-5 Tage weg usw.

      Ich hoffe ich konnte dir ein wenig weiterhelfen bei deiner Entscheidung zu deinem Traumberuf.
      Ich möchte noch dazu sagen, dass es definitiv nicht für jeden etwas ist. Vielleicht schaust du dir mal meinen Artikel über die FAQ zu diesem Thema an, da beschreibe ich unter anderem auch ein paar Schattenseiten des Jobs.

      Ganz liebe Grüße
      Annie

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